Imagined Future(s)

Zukunfts- und Innovationsvorstellungen in etablierten unternehmerischen Gruppen

Ohne Zweifel sind Innovation und Innovationsprozesse wesentliche Merkmale der modernen Gesellschaft und Treiber der kapitalistischen Wirtschaft und Dynamik. Die Ungewissheit der Zukunft sowie die Fähigkeit, sich eine „imagined future“ (Beckert) vorzustellen und Visionen zu haben, sind für verschiedene Akteure und deren Handlungen in Innovationsprozessen und -systemen wichtige Antreiber und Quellen für Innovation.

Die Unternehmerische Gruppe (Ruef), vor allem deren Innovationsaktivitäten, sind für das Hervorbringen von Neuem von hoher Bedeutung. Eine unternehmerische Gruppe setzt sich aus einer kleinen Anzahl von Individuen zusammen, die Zeit, Anstrengung, Fähigkeiten und/oder Geld in ein gemeinsames, zukunftsänderndes Projekt stecken. Mit der Gruppe als Analyseeinheit wird der Annahme gefolgt, dass Entrepreneurship eine kollektive Aktivität ist, und nicht auf einen einzelnen Unternehmer zurückgeführt werden kann.

In diesem Dissertationsprojekt ist das Hauptziel zu untersuchen, wie Zukunfts- und Innovationsvorstellungen, und damit fiktionale Erwartungen, in unternehmerischen Gruppen beeinflusst und miteinander verhandelt werden. Meine Ausgangsfragen sind u.a.: Wie werden in unternehmerischen Gruppen neue Ideen und Möglichkeiten entdeckt, generiert, ausgewertet und verhandelt? Wie werden Gruppenmitglieder von innovativen Ideen und Zukunftsvorstellungen überzeugt, oder davon abgehalten? Wer erzählt wem warum welche Geschichte und mit welchem Effekt? Welche Rolle spielen Familien- und Freundschaftsbeziehungen zwischen den Mitgliedern dabei (Granovetter)?

Durch eine Analyse von 15 Fallstudien von unternehmerischen Gruppen sollen diese Fragen beantwortet werden. Für das Start-Sample wird zunächst das deutsche Handwerk fokussiert. Diese traditionale Branche sieht sich derzeit einem Wandel und damit zusammenhängenden Veränderungen, Herausforderungen und (Innovations-) Chancen konfrontiert. Um generalisierbare Aussagen zu ermöglichen, werden durch einen kontrastreichen Vergleich zudem unternehmerische Gruppen in anderen Industrien (z.B. High-Tech), mit anderen Gründungskontexten (Start-up) sowie unterschiedlichen Größen und Beziehungsarten zwischen den Mitgliedern untersucht. In welchem Zusammenhang stehen die Unterschiede mit (verschiedenen) Innovationspraktiken und der Innovationsfähigkeit der Gruppe? Welche Gemeinsamkeiten und Muster lassen sich übergreifend aufzeigen?

Pro Fall wird eine Gruppendiskussion durchgeführt. Hier werden die Gruppenmitglieder gebeten, sich die die Zukunft ihrer Unternehmung vorzustellen, diese zu erzählen und sich gemeinsam darüber auszutauschen. Das Ziel ist es, zu erkennen, wie fiktionale Erwartungen miteinander verhandelt werden und die Gruppendynamiken und Rollen innerhalb der Gruppe aufzudecken. Für ein besseres Verständnis sind zusätzliche narrative Interviews mit einzelnen Mitgliedern geplant.

Das übergreifende Ziel ist es, Erkenntnis zu gewinnen, welche Aspekte der Gruppendynamik Innovationen ermöglichen oder verhindern. Dabei wird der Blick über die Phase der Unternehmensgründung hinaus auf bestehende Unternehmen und zudem nicht nur auf hochtechnologische, innovative Branchen gerichtet. Die erwarteten Ergebnisse können so helfen, politische Maßnahmen an die unterschiedlichen Bedürfnisse und Innovationsfähigkeiten der Branchen anzupassen und so noch mehr die unternehmerische und innovative Aktivität von unternehmerischen Gruppen zu unterstützen und zu stärken.

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